Text: Jürg Friedli, Leiter Departement Pflanzenbau
Zwischen 2021 und 2023 stiegen die Düngerpreise weltweit in noch nie gekannte Höhen. Hauptgrund war der Krieg in der Ukraine. Über Nacht versiegte für die europäische Düngerproduktion das billige russische Gas. Zudem ist Russland einer der grössten Düngerexporteure. Weil es beim Dünger keine Zölle gibt, war auch die Schweiz direkt betroffen. So notierte beispielsweise Harnstoff zeitweise weit über Fr. 120.– pro 100 kg. Oder war gar nicht mehr verfügbar.
Düngerhandel ist Logistik
Düngemittel sind grossvolumige Produkte. Für eine effiziente Logistik braucht es leistungsfähige Strukturen: Schiffe, Ganzzüge, Lagerflächen und Umschlagsanlagen. Die fenaco Genossenschaft hat in den letzten Jahren die Dünger-Drehscheibe von Landor am Standort Auhafen (BL) gezielt ausgebaut und modernisiert. Dank der genossenschaftlichen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich kam es nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu keinen Versorgungsengpässen. Diese Logistikkompetenz gewinnt an Relevanz: Die Schweiz selbst stellt schon länger keinen Stickstoffdünger mehr her, die europäische Düngerproduktion verliert stetig an Bedeutung. Düngemittel kommen immer häufiger aus Übersee.
Preisspitzen gebrochen
Die Preisschocks der letzten Jahre haben Landor nicht unvorbereitet getroffen. Landor verfügt über ein etabliertes internationales Beschaffungsnetz und ist wegen der genossenschaftlichen Rückendeckung bereit und in der Lage, Marktrisiken zu tragen. So konnten die Preisschocks auf den internationalen Märkten zugunsten der Schweizer Landwirtschaft abgefedert werden. Die Landwirtinnen und Landwirte ihrerseits mieden Preisspitzen geschickt und deckten ihren Hauptbedarf in Phasen mit weniger hohen Preisen. So wurden beispielsweise im Juli 2023 innerhalb von sechs Wochen 80 Prozent der Jahresmenge an Ammonsalpeter geordert!
Genügend Ware dank Genossenschaftsmodell
Die Schweiz kann drei Viertel ihres Nährstoffbedarfs mit Hof- und Recyclingdünger decken. Insbesondere für grössere Ackerund Gemüsebaubetriebe ist Stickstoffdünger jedoch essenziell, um die spezifischen Bedürfnisse der Kulturen zu decken. Produzentinnen und Produzenten können nicht darauf verzichten, auch wenn Dünger sehr teuer ist. Dank der vorausschauenden Beschaffung sowie der Lagerhaltung der fena-co-LANDI Gruppe konnten Mehrkosten in den vergangenen Krisenjahren abgefedert werden. Ohne Landor und die LANDI hätten die Betriebe noch viel mehr für Dünger bezahlt oder gar nicht genügend Ware bekommen. 2024 hat sich die Situation normalisiert, die Düngerpreise liegen in etwa wieder auf dem Niveau vor Kriegsausbruch. Doch die nächste Gelegenheit, den Mehrwert des Genossenschaftsmodells unter Beweis zu stellen, kommt bestimmt.