Quer gelesen
– Die Schweizer Mahlgetreide-Ernte sank um 122 000 t und reicht bis zum Anschluss an die Ernte 2025 nicht aus.
– Der Bundesrat hat das Importkontingent Nr. 27 (Brotgetreide) für die Kampagne 24 / 25 um 80 000 t erhöht.
– Der backfähige Mahlweizen der letzten Ernte überzeugt bei Proteinwert und Fallzahl.
Bei der Inlandernte des Mahlgetreides ruhten die Hoffnungen nach einer qualitativ durchzogenen Ernte 2023 auf einer hochwertigen Ernte 2024. Der Anteil an backfähigem Mahlgetreide aus der Ernte 2024 wies überzeugende Werte bei Proteingehalt und der Fallzahl auf. Die ungünstige Witterung im Frühjahr hat sich signifikant auf Ertrag und Qualität des Getreides ausgewirkt. Durch das nasse, sonnenarme Wetter konnten sich die Ähren nicht vollständig ausbilden. Für einen beachtlichen Anteil der Erntemenge führte dies zu einem unterdurchschnittlichen Hektolitergewicht. Zudem begünstigte die Feuchtigkeit während der Getreideblüte den Befall mit Fusarien und damit verbunden die Bildung von Mykotoxinen. Diese beiden Qualitätsparameter führten zu Deklassierungen in den Futtersektor, wodurch das nationale Ernteergebnis für Mahlgetreide zusätzlich belastet wurde.
Trotz noch umfangreicher Lagerbestände ist die Versorgung bis zur Ernte 2025 unzureichend.
Herausfordernde Versorgung mit Mahlgetreide
In der Schweizer Ernte 2024 wurden laut Swiss granum rund 250 000 t backfähiges Mahlgetreide geerntet – etwa 122 000 t weniger als im Vorjahr. Trotz noch umfangreicher Lagerbestände sind für die Versorgung bis zur Ernte 2025 zusätzliche Importe notwendig. Auch das backfähige Mahlgetreide in Bio-Qualität weist mit einer Erntemenge von 24 473 t einen Rückgang von knapp 10 000 t auf im Vergleich zum Vorjahr. Die ausserordentliche Senkung des Mindest-Hektolitergewichtes von 77 kg / hl auf 73 kg / hl im System Maxi sowie der Verkauf von Suisse-Garantie-Mahlgetreide aus strategischen Lagerbeständen haben dazu beigetragen, die Fehlmenge an Inlandrohware zu reduzieren. Das verbleibende Manko in der Versorgung hat dazu geführt, dass der Bundesrat die Gemeinschaftsanträge der Branche zum Vorzug und zur Erhöhung des Zollkontingents Nr. 27 genehmigt hat: 20 000 t für 2024 und 60 000 t für 2025. Diese zusätzlichen Kontingentsmengen sichern die Versorgung der Schweizer Mehlmühlen bis zur nächsten Mahlgetreideernte.
Die Erhöhung der Richtpreise um Fr. 1.50 / 100 kg für die drei Hauptklassen hat zur Verbesserung der Auszahlungspreise für die laufende Kampagne beigetragen – ein wichtiger Schritt in einem Jahr, das von Ertragsausfällen gezeichnet ist. Dieses Ergebnis ist möglich dank einer durchwegs partnerschaftlichen Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Globale Rekordernte beim Mahlgetreide
In Europa sank die Weizenproduktion auf 120,3 Millionen t. Damit liegt sie rund 3,4 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Ursachen für die schlechten Ernten in Schweizer Nachbarländern wie Frankreich und Deutschland sind dieselben wie in der Schweiz. Die globale Weizenernte in der Kampagne 2024 / 25 ist mit 798,2 Millionen Tonnen Rekordhoch – dies im Gegensatz zur Situation in Europa. Trotz dieser hohen globalen Erntemenge übersteigt der weltweite Verbrauch gemäss dem deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Produktion. Dies führt zu einem Rückgang der globalen Weizenendlager auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren und befestigt damit verbunden auch die internationalen Preise.
Bei den Ölsaaten bleibt die Nachfrage hoch
Die Schlussabrechnungspreise für die Ölsaaten aus der Ernte 2024 knüpfen an den positiven Preistrend der Ernte 2023 an. Die nationale Rapsernte lag mit rund 74 500 t deutlich unter dem Vorjahr. Mit einer Rahmenvereinbarungsmenge von 106 000 t kann die Inlandproduktion die Nachfrage lediglich zu rund 70 % decken. Hauptgründe waren der milde Winter, der für einen erhöhten Schädlingsdruck sorgte, sowie der sehr nasse Abschnitt im Frühjahr 2024.
Die Rahmenvereinbarung für Sonnenblumen in Höhe von 20 000 t wurde durch die Zuteilungsmengen des SGPV vollständig ausgeschöpft. Die von Swiss granum publizierte Erntemenge von rund 18 938 t setzt ein positives Signal. Dasselbe gilt für die Sojabohnenernte. Dies ist bemerkenswert, da die Herbsternte von anhaltend feuchten Witterungsbedingungen begleitet wurde. Die Nachfrage und das damit verbundene Anbaupotenzial besteht für alle Ölsaaten weiterhin.
Die Vermarktung von Raps- und Sonnenblumenkuchen war aufgrund von stetigem Preisdruck durch Import-Proteinkomponenten und teils ungenügendem Grenzschutz herausfordernd. Für die Schlussabrechnungspreise der Saaten gegenüber der Ernte 2023 verhält sich der preisliche Einfluss allerdings neutral.
Futtergetreide mit zweistelligem Rückgang bei der Ernte
Der weitere Flächenrückgang bei Gerste und Weizen und die schwierigen Witterungsbedingungen in der Futtergetreideproduktion führten 2024 zu tieferen Erntemengen. Swiss granum weist bei der Futtergetreideproduktion der Ernte 2024 eine Menge von knapp 355 000 t aus, was einem Rückgang von rund zehn Prozent gegenüber der Ernte 2023 entspricht. Auch in dieser Kampagne werden die Auszahlungspreise im System Maxi von den Schwellenpreisen und der Handhabung beim Grenzschutz geleitet. Die vielen unterschiedlichen Qualitäten, sei es hinsichtlich des Hektolitergewichts oder aufgrund der Mykotoxinbelastung, stellen eine zusätzliche Herausforderung bei der Vermarktung dar. Dank der lösungsorientierten Zusammenarbeit zwischen Sammelstellen, fenaco GOF und Kunden konnten diese bestmöglich verwertet werden Beim Futterweizen wurde die Mengenbilanz durch die Abklassierung von qualitativ zu schwachen Brotweizenpositionen «aufgebessert».
Die Kosten in der Vermarktung sind aufgrund der vielen verschiedenen Qualitäten und der dadurch längeren Lagerperiode höher, was mit dem statischen Schwellenpreis nicht berücksichtigt wird. Speziell beim Körnermais wirken sich der tiefere Schwellenpreis im Vergleich zu jenem des Futtergetreides und die zu späte Erhöhung des Grenzschutzes massgeblich auf den Auszahlungspreis aus.
Maxi-Event 2025
An der Informationsveranstaltung vom 8. April 2025 im Verkehrshaus Luzern informiert fenaco GOF die Maxi-Sammelstellen über die Vermarktung der zu Ende gehenden Kampagne sowie über anstehende Veränderungen und Herausforderungen.
Mehr über diesen Treffpunkt der Getreidebranche ab dem 10. April unter www.ufarevue.ch.